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Kloster zu Ottbergen
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Kloster zu Ottbergen


Im Juli 2012 verließen die Franziskaner das Kloster, nachdem sie es seit 1868 mit Unterbrechungen bewirtschaftet hatten. Inzwischen sind Franziskaner-Minoriten aus Polen in das Kloster eingezogen. Sie betreuen Ottbergen, weitere umliegende Kirchengemeinden  u. a. auch meine Heimat Dingelbe. Zur Erinnerung an die Franziskaner gab es eine Ausstellung, die vom 29. Juni bis zum 15. Juli 2012 dauerte. Zur Eröffnumg der Ausstellung am 29. Juni 2012 hatte Heimatpfleger Hans-Georg Schrader Ehrengäste eingeladen. Dabei waren auch ehemalige Klosterschüler und Klassenkameraden. Ausserdem stellte er das Buch "Das Kloster zu Ottbergen" vor, in dem die Geschichte des Klosters beschrieben ist.

Zum Erhaltung des Klostergartens wurde im September 2012 der Verein Ottberger Klostergarten e.V. gegründet.

Die Klosterschule, das Collegium Marianum, wurde bereits mit Auslaufen des Schuljahres 1970/71 geschlossen. Der Begriff "Collegium Marianum" wird in der einschlägigen Literatur so erklärt, dass auf Seminaren junge Männer auf kirchliche Berufe vorbereitet werden. Als ich zum ersten Mal nach über 50 Jahren am 29. Juni 2012 zur Ausstellung wieder in das Kloster ging, kamen mir die Innenräume und Flure sehr klein vor. Niemals in meinem bisherigen Leben hatte ich daran geglaubt, dass mich die Zeit von 56-58 noch einmal einholen würde. Eigentlich hatte ich diese klösterliche Zeit damals doch ziemlich schnell abgehakt.

Von 1956 bis 1958 war ich externer Schüler in dieser Klosterschule, weil aus mir einmal 

    "etwas werden sollte".

Eine selbstkritische Nachlese "Ungefragt disponiert"   von Albert Handelmann

Aus dem Buch "Das Kloster zu Ottbergen" von Hans-Georg Schrader, Heimatpfleger Ottbergen.

Eine Kurzfassung des Berichtes ist im Buch "Zeit zum Nachdenken" erschienen unter dem Titel:
"Schule oder Waldspaziergang"

Meine Meinung zur Klosterschule vorweg. Sicherlich hatte die Schule ihre Qualitäten für bestimmte Schüler, insbesondere für jene, die dort im Internat waren. Sie hatten einige Vorteile und konnten die Hausaufgaben unter fachlicher Hilfestellung durchführen. Sie gehörten auch praktisch zum Kloster dazu und wurden daher die Internen genannt. Ein geringer Prozentsatz der Schüler – und dazu zählte ich – kam aus der Umgebung und reiste täglich an. Es waren die Externen. Sie gehörten nur „halb“ dazu. Nachmittags, bei den Hausaufgaben standen diese ohne Hilfestellung da. Außerdem erfuhren die Externen eine unterschiedliche Behandlung durch die Patres, die als Lehrpersonal fungierten. Als Kind konnte man sich allerdings sehr schlecht artikulieren, um sich damit auseinanderzusetzen. Das frühe oder späte AUS war daher für einige Externe vorprogrammiert. Jeder Interne hatte im Klassenraum ein großes übersichtliches Fach, wo die Schulsachen verstaut werden konnten. Sie brauchten also keinen schweren Schulranzen schleppen und hatten bei Änderungen des Unterrichtsplanes alles dabei. Als Externer musste ich zu Hause sorgfältig sortieren, um den Ranzen einigermaßen gewichtsreduziert tragen zu können. Das war ein begleitendes Übel, zumal ich dann auch bei Unterrichtsänderungen die Schulsachen nicht dabei hatte. Und so manch einer hätte außerdem gern ein paar Mädchen um sich herum gehabt. Die Klosterschule war ein Internat für Jungen.

Die Idee zur Höheren Schule hatte meine Mutter im Jahr 1955. Mein Zwillingsbruder Hermann und ich sollten es einmal besser haben und etwas „Anständiges“ lernen. Dazu sollten wir auf die „Höhere Schule“. Zunächst wurde das Josephinum in Hildesheim favorisiert, aber aufgrund der Fahrkosten für den Bus von Dingelbe nach Hildesheim entschied sich meine Mutter für die Klosterschule in Ottbergen. Meine Mutter musste alle Kosten mal zwei nehmen und da wurde es schon mal teurer. Von Dingelbe nach Ottbergen konnte man im Sommer mit dem Fahrrad fahren und den Bus dann während der Wintermonate benutzen. Ermutigt wurde meine Mutter durch einen Schüler von der Klosterschule Ottbergen, der regelmäßig vor unserer Haustür in Dingelbe auf den Bus zum Umsteigen nach Söhlde wartete.

Mein Bruder und ich wurden dann an der Klosterschule in Ottbergen zur Aufnahmeprüfung angemeldet. Gelegentlich erzählte mir mein Bruder, dass er eigentlich keine so richtige Lust dazu hat und wahrscheinlich die Aufnahmeprüfung nicht besteht. Ich war dagegen sehr neugierig und noch begeistert, obwohl ich mich mehr für Technik und Fliegerei interessierte. Wie läuft ein Motor und warum fliegt ein Flugzeug? Das waren eigentlich meine Fragen. Ich selber war unschlüssig und hätte gern eine vertrauliche Beratung darüber gehabt, ob es meinen Neigungen und Interessen entgegen kommt, auf eine Klosterschule zu gehen. Oder war es das Ziel, mich zum Pastor zu machen?
 
Zu diesem Zeitpunkt waren Widerworte oder ähnliches wie Diskussionen darüber ohnehin nicht erlaubt; denn Erwachsene, insbesondere Eltern, Lehrer und Pastor hatten grundsätzlich recht. So ging es dann zur Aufnahmeprüfung. Ich bestand die Prüfung und mein Bruder nicht. War er pfiffiger als ich? Das schlechte Abschneiden berührte meinen Bruder überhaupt nicht sonderlich und meine Mutter musste sich wohl oder übel damit abfinden. Naja, wenigstens hatte der andere Sohnemann, also ich, die Prüfung doch gut hinter sich gebracht.

Nach dem ersten Schultag in Ottbergen war ich begeistert. Noch. Die ersten Klassenarbeiten schrieb ich insbesondere in Mathematik gut. Erinnern kann ich mich noch an die 9er und 11er Probe (ein besonderes Multiplikationsverfahren) in Mathematik. Das schaffte ich mit „links“.

An die Namen der unterrichtenden Patres in der Sexta kann ich mich auch noch sehr gut erinnern.
P. Leo Labus, Deutsch (Schulleiter), P. Cölestin, Biologie und Musik, P. Amandus, Religion, P. Maurus, Erdkunde, später Deutsch und Latein, P. Romuald, Englisch, P. Thaddäus, Mathematik und Fr. Gisbert, Kunst. Fr. Gisbert habe ich noch in sehr guter Erinnerung. Der war ganz in Ordnung. Für den Sportunterricht kam P. Reginald aus Hildesheim. An die Namen der Mitschüler (ungefähr 16) in der Sexta 56/57 kann ich mich nicht mehr so genau erinnern. Wir nannten uns alle beim Nachnamen. Für mich war diese Form der Anrede befremdlich. Über das Schuljahr 57/58 habe ich kaum noch Erinnerungen. Das ist so an mir vorbei gerauscht und ich war froh, als es zu Ende war.

So fuhr ich regelmäßig mit dem Fahrrad über Wöhle, wo drei Schüler aus diesem Ort dazu kamen. Dann ging es gemeinsam weiter nach Ottbergen. Aufgrund der unterschiedlichen Unterrichtsstunden wurde die gemeinsame Radfahrerei immer seltener und ich fuhr dann gelegentlich über Farmsen nach Ottbergen, denn das war 1 km kürzer. Im Winter fuhr ich dann mit dem Bus. Auf der Rückfahrt musste ich immer an der Bushaltestelle bei der Schmiede Wolpers (Ecke Wöhler Str. / Hauptstr.) warten. Da konnte ich einem richtigen Schmied bei der Arbeit zuschauen. Das war wesentlich interessanter als Biologie usw. Außerdem war es warm dort. Es machte auch Spaß, ihm gelegentlich Werkstücke zu halten, wenn er seine Schweißnähte produzierte.

In der Klosterschule selber kann ich mich noch an die erste Biologiestunde bei P. Cölestin erinnern. Er erklärte im Klostergarten fast eine halbe Stunde den Kelch einer Kaiserblume. Im Musikunterricht konnte ich mit meiner Blockflöte glänzen und aufgrund meiner Stimme durfte ich auch im Chor mitsingen.

Bei P. Maurus war entweder Erdkunde, Deutsch oder Latein angesagt. Er wirkte immer ernst und ging mit leicht vorgebeugtem Oberkörper. Einmal erzählte er einen Witz: Ein Junge geht einkaufen, um zehn Äpfel zu holen. Auf dem Nachhauseweg fällt er hin und alle Äpfel fallen aus dem Korb. Er muss alle Äpfel wieder einsammeln. Zu Hause zählt er dann aber zwölf Äpfel. Was ist geschehen? Er hat zwei Pferdeäpfel mit eingesammelt. Die ganze Klasse lachte, nur ich nicht. Vielleicht war das ein Fehler. Dabei fand ich den Witz gar nicht gut und finde ihn auch heute noch nicht zum Lachen.

 In einem Deutschaufsatz begann ich einmal einen Satz mit dem Wort „Allerdings“. Das war offensichtlich eine Herausforderung für P. Maurus zur Definition meines gesamten Aufsatzes. Mit meinem Aufsatzheft in der Hand schwadronierte er durch das Klassenzimmer und las meinen Aufsatz laut vor und kommentierte ihn in einer sehr negativen Form. Es war schon beleidigend, wie er meinen Aufsatz zerlegte. Über seine Kommentare zum Wort „Allerdings“ und noch einige andere Passagen ermunterte er die gesamte Klasse zum Lachen. Ich lachte sogar mit und wurde dafür sinngemäß gerüffelt mit den Worten: „Handelmann, du bist hier der Einzige, der nichts zu lachen hat. Wenn es eine Acht in der Benotung geben würde, hätte dieser Aufsatz eine Acht minus von mir bekommen“.

Der Gärtner, der den Klostergarten pflegte, war Spitze. Während des Unterrichtes musste ich mal auf die Toilette, weil ich in der Pause zu viel diskutiert hatte. Dort auf der Toilette stank es fürchterlich nach Zigarrenrauch, weil der ein oder andere Pater dort in Ruhe „qualmte“. Mir war schlecht und ich musste eine Weile frische Luft draußen im Garten schnappen. Da kam der Gärtner mit einem Korb Äpfel auf mich zu und fragte, was ich da so mache? Ich sagte ihm, dass ich etwas frische Luft brauche, nachdem ich auf der „Tabak verräucherten“ Toilette war und rümpfte die Nase dabei. Da gab er mir einen richtig schönen Apfel mit der Bemerkung: „Der wird dir gut tun, denn er ist frisch gepflückt“. Ich aß ihn dann auch gleich und wirklich, der Apfel mundete hervorragend.

Im Englischunterricht begann P. Romuald immer mit Erzählungen der „kleinen Engländer“, so nannte er die englischen Schüler, die er in Hildesheim betreute. Nach ungefähr 20 Minuten kam er dann zum eigentlichen Thema „Englischunterricht“. Dieser kam immer zu kurz. Das englische Lied „Hot cross buns“ (Heiße knackige Brötchen) konnte er ganz gut vorsingen. Ich kann es heute noch auswendig singen, so oft haben wir das geübt.

Wenn ich morgens zum Unterricht erschien, kam als erstes jemand von den Internen, um das Pausenbrot mit mir zu tauschen. Das eintönige Klosteressen bekam dadurch etwas Abwechslung. Für mich war wiederum das Klosterbrot eine Abwechslung. Zum Sport ging es während der warmen Jahreszeit entweder auf den Sportplatz oben am Wald oder es wurde auf dem Klosterschulhof Völkerball gespielt. Einmal ging es wieder hoch zum Waldsportplatz. Dafür konnte ich den schweren Ranzen im Klassenzimmer lassen. Das war etwas umständlich. Da ich an diesem Tag mit dem Bus wieder zurück nach Hause fuhr, konnte ich also nicht direkt zur Bushaltestelle gehen, sondern musste den Umweg über das Kloster machen und dazu war Beeilung angesagt, sonst war der Bus weg. Meine neue Uhr – eine Kienzle für ca. 75 DM – versteckte ich daher unter der Ranzenklappe. Auf dem Rückweg war ich dann so in Eile, dass ich die Uhr vergessen habe. Den Verlust bemerkte ich erst zu Hause. Mehrfach ging ich am Tag darauf den Weg zwischen Bushaltestelle und Kloster ab. Die Uhr war weg. Im Kloster wurde am Schwarzen Brett ein Aushang gemacht. Darauf meldete sich niemand. Meine Mutter schickte mich dann zur Gemeindeverwaltung und dort wurde ebenfalls ein Aushang gemacht. Daraufhin ging dort die Nachricht ein, dass H. Knop die Uhr gefunden hat. Freudig holte ich die Uhr ab. Als Finderlohn verlangte er eine Schachtel Zigaretten der Marke Overstolz. Die kaufte ihm meine Mutter.

In Kunst und der Kunstschrift war ich gut. Ebenfalls gut war ich im Sport. Im Winter ging es in den Tanzsaal der örtlichen Gastwirtschaft Machens. In Mathe, Latein und Deutsch baute ich ab, weil ich das Gefühl hatte, ich wurde irgendwie benachteiligt. Da hatte ich eine Mathematikarbeit fehlerlos geschrieben. Während alle anderen, also auch diejenigen, die einige Fehler gemacht hatten, gelobt wurden, wurde mir das Heft kommentarlos hingelegt oder besser hingeworfen. War das Zufall oder Absicht? Ich fühlte mich furchtbar elendig und erniedrigt. Diese Bruchteile von Sekunden, in denen mir das Heft auf den Tisch geknallt wurde, schmerzten heftig. Nach ungefähr einem halben Jahr begann ich dann zunächst erst einmal für mich, zu rebellieren. Ich wollte einfach nicht mehr zu der Schule. Hinzu kam, dass ich im Bus nach Dingelbe den Schülern vom Josephinum aus Hildesheim begegnete. Ich bin offensichtlich immer mit einem „Beerdigungsgesicht“ zugestiegen, während bei den Josephinern Heiterkeit und Amüsement über die Pauker vorherrschten. So etwas kannte ich gar nicht. Mir war dort im Kloster alles zu ernst. Zu Hause wurden meine Argumente weggewischt. Ich wollte auch zum Josephinum. Das wurde aus Kostengründen abgelehnt. Es konnte sich daher nur um die Fahrkosten handeln; denn auch die Klosterschule in Ottbergen kostete Schulgeld. Außerdem hatte ich zu Hause kein Ruhe zum Lernen. Zu diesem Zeitpunkt lebten dort vier Familien unter einem Dach.

Ich versuchte daher einen Plan auszudenken, wie ich am besten wieder zu meinen Freunden in Dingelbe auf die Volksschule komme. Über meinen Bruder merkte ich, dass man in der Volksschule Dingelbe sowohl im Rechnen als auch in Erdkunde wesentlich weiter war als wir in Ottbergen. Das das alles an den Schulplänen gelegen haben soll, lasse ich mir heute nicht mehr erzählen.

Ich tat etwas, was ich heute nicht mehr machen würde. Ich schwänzte die Schule und unterschrieb die Entschuldigungen mit der Handschrift meiner Mutter. Die Unterschrift hatte ich schon beim Unterschreiben schlechter Klassenarbeiten geübt. Es waren so einige Stunden, an denen ich mich während der Schulzeit im nahen Wald aufhielt. Im Rückblick so etwa einmal in zwei Wochen im Durchschnitt, an denen ich den Unterricht aus gesundheitlichen Gründen verließ. Den Kapellenberg kannte ich nun wie meine „Westentasche“. Im ersten Jahr hat das keiner gemerkt, die Entschuldigungen wurden akzeptiert. Und da ich tatsächlich zweimal länger wegen einer Erkältung zu Hause war und meine Mutter die Tage nicht gezählt hat, fiel das auch gar nicht auf.

Nun dachte ich, dass ich aufgrund der schlechten Noten endlich von der Schule genommen werde. Da aber habe ich die Rechnung ohne P. Leo und meine Mutter gemacht. Der brave Junge soll es doch noch einmal mit einem Wiederholungsjahr versuchen. Und somit musste ich das Schwänzen im neuen Schuljahr mehr perfektionieren. Ich fehlte immer öfter. Die Schelte der Patres über meine miserablen Leistungen wurde heftiger. Ich wurde dann kurzfristig immer wieder besser in der Schule, sodass die Patres die Hoffnung nicht aufgaben. Aber ich hatte mit dem Kloster abgeschlossen und wollte eine Lehre in einem technischen Beruf machen.

Eine Besonderheit meiner „Schwänzerei“ erlebte ich im Herbst 1957. Ich erforschte“ die „Wildnis“ um den Kapellenberg und dem Kammweg nach Wöhle herum immer intensiver. Während ich einige farbige Blätter abpflückte, um diese zu Hause zwischen Buchseiten trocken zu pressen und somit haltbar zu machen, stand plötzlich wie aus dem Nichts mein Onkel aus Farmsen vor mir. Er war begeisterter Pilzsammler und suchte alles, was der Wald an Pilzen so hergab. Er selber war auch nicht weniger erstaunt und für kurze Zeit sprachlos. Ich beichtete, auch weil mir nichts anderes übrig blieb. Er hörte mir aufmerksam zu, als ich ihm erzählte, dass die Schule nichts für mich ist. Er hatte sogar Verständnis dafür. Er war der Erste, dem ich das ganze Schuldilemma so in meiner kindlichen Redekunst erzählte. Ich begleitete ihn noch beim Pilzsammeln und dann nahm er mich erst einmal mit nach Jägersruh. Dort war er öfter und trank immer so 2-3 Bier. Ich bekam eine Limo. Er sagte noch zu mir: „Junge, mach, was du für richtig hältst und nicht das, was die anderen sagen. Wenn ich im Zweiten Weltkrieg in Russland immer das gemacht hätte, was die Oberen Herrschaften wollten, wäre ich nicht mehr hier“. Danach brachte er mich nach Hause und erzählte meiner Mutter, dass er mich auf dem Nachhauseweg an der Bushaltestelle aufgegabelt hat. Über die Schulschwänzerei schwieg er.

Heraus kam allerdings – wen wundert es – doch so ziemlich alles. Meine Mutter musste wegen meiner wohl nicht unerheblichen Fehlstunden und den mangelhaften bis ungenügenden Gesamtleistungen zum P. Leo. Der legte nun meiner Mutter die diversen unterschriebenen Bestätigungen für Fehlzeiten, Hausaufgaben und Klassenarbeiten vor. „Das ist doch Ihre Unterschrift“, fragte er meine Mutter. „Ja, ja“, stammelte sie und wusste ganz genau, dass sie das nicht unterschrieben hatte. Das Donnerwetter meiner Mutter bekam ich dann zu Hause zu spüren. Natürlich habe ich auch alles ganz brav gebeichtet. Ich sollte noch auf eine andere ähnliche Schule gehen aber das hat Gott sei Dank nicht funktioniert. Meine Mutter war übrigens sehr überrascht über die völlige Ähnlichkeit mit ihrer Schrift. Ich habe diese Schrift beibehalten und schreibe auch heute noch so.

Im Fazit und Rückblick gesehen war ich sicherlich kein ausgesprochen guter Schüler und ein Musterschüler oder Streber schon gar nicht. Aber so schlecht, wie meine Leistungen auf der Klosterschule benotet wurden, war ich nun auch wieder nicht. Im Verhältnis zu den Schultagen waren meine Fehltage nur relativ, selbst wenn hier im Bericht der Eindruck entstehen kann, dass ich fast nur geschwänzt hätte.

Welche Lehren habe ich aus den zwei Jahren Klosterschule gezogen und später im Leben angewendet? Ich habe mir vorgenommen, bei meinen Kindern derartige Schritte nicht ohne deren Einverständnis zu tun, also nicht zu disponieren. Als meine älteste Tochter Petra nach der Grundschule ein Gymnasium suchte, haben wir (meine Frau und ich) ihr Vorschläge gemacht. Wir haben uns die Gymnasien im Zentrum von Mönchengladbach angeschaut und uns jeweils umfassend informiert. Sie entschied sich dann selbst für eines dieser Gymnasien.

Heute weiß ich, dass das der richtige Weg war. Ich hatte als Schüler aus „der Klosterschule Ottbergen“ gelernt. Und das war eine ganze Menge.
 

In dieser Vitrine war ein Teil meiner damaligen Schulbücher während der Ausstellung ausgestellt.
Gerne habe ich diese Bücher dem Heimatpfleger übergeben.


                  Oben links: Latein "Ars Latina"
                  Oben rechts : Englisch "Learning English"
                  Unten Mitte: Liederbuch: "Singende Heimat"
                  Unten rechts: Noten und Text vom Lied:   "Wem Gott will rechte Gunst erweisen"

Wir sahen uns nach 56 Jahren im Kloster zur Eröffnung der Ausstellung
am 29.6.2012 wieder.Die ehemaligen Klosterschüler und Klassenkameraden
von links: Albert Handelmann, Hans-Georg Schrader  und Martin Höppner.

 Mein großer Dank geht an meinen ehemaligen Klassenkameraden
Hans-Georg Schrader für die große Mühe, die er sich zur
Aufarbeitung der Geschichte des Klosters gemacht hat.